Über das Projekt

Projekt MINT 4 | Zielgruppen

Informatik als spannende Perspektive und innovatives Forschungs- und Tätigkeitsfeld aufzuzeigen, war im Prinzip an alle gerichtet. Unser Bestreben lag darin einen gemeinsamen Gestaltungsspielraum für alle Beteiligte zu schaffen. Im Kontext der Hochschule wollten wir Studierende der vier Informatikstudiengänge durch zusätzliche oder integrierte Tutorien, gezielte IT-Angebote sowie Exkursionen in Unternehmen verstärkt in informatischen Tätigkeitsbereichen informieren und stärken. Dazu wollten wir Studieninteressierten durch “lebendige Einblicke ins Studium” ein Bild über das Informatikstudium an der Hochschule verschaffen. Dabei sollte der Studienalltag und die Studieninhalte erlebbar gestaltet werden. Multiplikatorinnen und Multiplikatoren haben wir als „Sprachrohr“ verstanden, insbesondere bei der Gewinnung von Studierenden und bei der Beratung von Studieninteressierten. Um ihre Arbeit zu unterstützen, waren unsere Maßnahmen auch sehr gut geeignet, um die Berufsperspektive „greifbar zu machen“. Darüber hinaus lag unser Bestreben darin, durch z. B. die Einbindung von Lehrenden und Praxisvertreter/innen die (Weiter-) Entwicklung der Studiengänge sowie den Praxistransfer zu (be)fördern.

Studieninteressierte

Studierende

Multiplikator/innen

Praxisvertreter/innen

Projektergebnisse MINT 4: 1. Förderphase | 2013-2016

Im Rahmen der Berliner Qualitätsoffensive für die Lehre 2012 -2016 ist das Projekt MINT 4 „Studentinnen in der Studieneingangsphase in MINT-Studiengängen der HWR Berlin stärken“ bis zum 31.12.2016 gefördert worden. Ein Schwerpunkt des Projekts lag in einem breit angelegten Aktionsprogramm, das sich in erster Linie an Schüler/innen richtete, um diese für ein Studium der Informatik, Wirtschaftsinformatik- oder Verwaltungsinformatik an der HWR Berlin zu gewinnen. Ein zweiter Schwerpunkt lag auf der Stärkung von (insbesondere weiblichen) Studierenden in der Studieneingangsphase. Die spezifischen MINT 4-Angebote wurden nicht nur an der HWR Berlin sehr gut angenommen, sondern auch stark an den Schulen nachgefragt. Das Projekt hat einen erheblichen Anteil zur Erhöhung und Stärkung von Frauen in den informatischen Studiengängen an der HWR Berlin geleistet. Darüber hinaus wurden Schulkooperationen auf- und ausgebaut. Im Zeitraum von 06/2013 bis 06/2016 sind für die Zielgruppen Schüler/innen und Studierende insgesamt 94 Veranstaltungen durchgeführt worden. Hierbei haben 1269 Personen teilgenommen, darunter 755 weibliche Personen (ca. 60 % Frauenanteil der Teilnehmenden).

Zunächst lag unser Fokus lag auf Schulakquise und Schulkooperationen. Neben vielen allgemeinen Schulangeboten, wie beispielsweise Angebote zum Tag der offenen Tür an der HWR Berlin sowie zu Karrieretagen/-wochen an Schulen, haben wir besonderen Wert darauf gelegt insbesondere Schülerinnen für die 4 IT-Studiengänge der HWR zu gewinnen. Hierbei lassen sich besonders der bundesweite Aktionstag Girls´Day hervorheben, die Umsetzung von Praxistagen und Projektwochen und Schnupperworkshops. Die Einbindung der Schülerinnen und Schüler (Klassenstuife 9) über IT-Workshops erfolgte in der Regel im Klassenverbund in enger Zusammenarbeit mit den Lehrkräften.

Angebote für Studierende, insbesondere Studentinnen, setzten zunächst bei der Studieneingangsphase ein. Hierbei wurden die neu immatrikulierten Studentinnen im MINT-Bereich (an allen Standorten) zu einem WELCOME-Treffen eingeladen. Der Erfahrungsaustausch mit Studentinnen aus den höheren Semestern ermöglichte einen authentischen Einblick und hilfreiche Tipps für den Studienstart.

Als äußerst wirksame Maßnahme, lässt sich die persönliche Beratung, die sogenannte MINT-Sprechstunde, herausstellen. Diese Sprechstunde wurde von IT-Studentinnen angeregt und wurde seit Mai 2016 regelmäßig, zumeist wöchentlich, angeboten. Diesem Coachingtermin ist es zu verdanken, dass Studierende, die vorher kaum mit Informatik in Berührung kamen, die Programmierkurse überhaupt bewältigen konnten.

Im Rahmen von MINT-Workshops wurden die Studentinnen der MINT-Studiengänge zur Nutzung von Web 2.0-Anwendungen (z.B. Wiki, Blogs) geschult, die sie für das Verfassen von (Gruppen-) Hausarbeiten einsetzen können. Darüber hinaus erhielten Sie die Möglichkeit ihr Wissen in der Rolle der Lehrperson in IT-Workshop für Schüler/innen zu vertiefen und weiter zu geben.

Werden die Gesamtstudentinnenzahlen in den Informatikstudiengängen der HWR betrachtet, lässt sich festhalten, dass ein positiver Aufwärtstrend in allen vier IT-Studiengängen deutlich erkennbar ist. Das MINT 4-Projekt ist somit nicht nur punktuell erfolgreich, sondern auch nachhaltig wirksam.

2016 hatten wir einen Studentinnenanteil in den IT-Fächern von annähernd 25-30 %. Somit gehörten wir bundesweit zu den Spitzenreitern mit Blick auf den Studentinnenanteil in den IT-Fächern.

Projektergebnisse MINT 4: 2. Förderphase | 2017-2020

In der zweiten Förderphase, von 2017 bis 2020, fokussierten wir uns darauf, ausgewählte Maßnahmen der ersten Förderphase nachhaltig in die Strukturen der Hochschule zu verankern. Der Schwerpunkt lag nun explizit auf der Bindung der Erstsemesterinnen  und Erstsemester an die IT-Studiengänge in der Anfangsphase. Auch hier wurde besonders darauf geachtet insbesondere Studentinnen in der Anfangsphase zu fördern und zu fordern.  Hierbei hatten wir Vernetzungstreffen, die MINT 4-Sprechstunde, ein wachsendes IT-Tutorienprogramm, studiengangsübergreifende Angebote sowie das Orientierungsformat “Wirtschaftsinformatik in Aktion” im Blick. Letzteres wurde gezielt für Studienanfänger/innen sowie Schüler/innen der Oberstufe konzipiert.

Neben den bereits oben vorgestellten Maßnahmen, ist besonders das Gestaltungspotenzial der IT-Studierenden und insbesondere der IT-Studentinnen hervorzuheben. Die Eigeninitiative für Girls´Day-Angebote am Standort Schöneberg und für Girls´Day-Angebote am Standort Lichtenberg, die Entwicklung von IT-Zusatzangeboten, wie z.B. Python-Summer School und Datenanalyse mit Python sowie die Durchführung eines Robotik-Diversity-Workshop als Bestandteil einer Abschlussarbeit, stehen außerhalb des Projektauftrages, sind aber umso wertvoller – die inhaltliche Bereicherung einerseits, eine sich verändernde Studiengangskultur andererseits.

Weiterhin ist die MINT 4-Sprechstunde als individuelles und wöchentliches Unterstützungsformat in der Vorlesungszeit angeboten worden. Darüber hinaus wurden weitere individuelle Termine, persönlich, telefonisch und online, angeboten. Diese zusätzlichen Termine fanden sowohl in der Vorlesungszeit, als auch in der vorlesungsfreien Zeit statt. Insbesondere die Klausur- bzw. Nachklausurvorbereitung waren wichtige Themen der Unterstützung.

Ein wichtiger Bestandteil zur Kontaktaufnahme mit Studienanfänger/innen war die Projektvorstellung im Rahmen von Einführungsveranstaltungen für Erstsemesterstudierenden der Informatikstudiengänge. Hierbei wurden Informationen zur MINT-Sprechstunde und zu den geplanten IT-Tutorien vorgestellt. Wichtiger Punkt war hierbei die persönliche Präsenz und niedrigschwellige Einladung “einfach mal vorbei zu kommen”. Darüber hinaus wurde jeweils zu Semesterbeginn ein Vernetzungs- bzw. Mentoringtreffen für Studentinnen im Studiengang Wirtschaftsinformatik am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften durchgeführt, begleitet von Professorin Dr. Heike Wiesner und einer Studentin im höheren Semester. Dieser informeller Austausch hat sich bereits in der ersten Förderphase bewährt und wurde daher weitergeführt.

Das Orientierungsangebot “Wirtschaftsinformatik in Aktion” ist gekoppelt an eine projektorientierte Lehrveranstaltung. Für den Studiengang Wirtschaftsinformatik hat sich die Lehrveranstaltung Projekt Software Engineering bewährt. Jedes Semester konnten sich Studieninteressierte und Studienanfänger/innen die Ergebnisse der studentischen Praxisprojekte ansehen und Fragen stellen. Vorgestellt wurden sowohl IT-Lösungen, als auch das komplexe Zusammenspiel von Kommunikation, Team- und Projektarbeit mit den Auftraggebern/innen.

Unter der Fragestellung: „Wie kann es gelingen, sowohl Schülerinnen und Schüler für die (Wirtschafts-)Informatik zu begeistern , als auch Studierende zu motivieren und zu fördern?” wurde am 20.03.2018 das Format zur Tagung “Brücken ins Studium: orientieren, qualifizieren, fördern” des MINT-Kollegs Baden-Württemberg vorgestellt: Tagungsbeitrag Projekt MINT 4

Die Weiterentwicklung des IT-Tutorienangebotes und die strukturelle Einbindung in den Lehrplan des Studiengangs Wirtschaftsinformatik konnte über folgende Schritte umgesetzt werden:

  • festgelegte Fachverantwortung: Professor Dr. Markus Schaal übernahm sowohl die Beantragung sowie inhaltliche Abstimmung, wie auch die Begleitung der Tutor/innen
  • Formatentwicklung entsprechend der Lehrveranstaltung: Neben der Etablierung des Basistutoriums Objektorientierte Programmierung (OOP 1) konnte ebenfalls ein Aufbaututorium Objektorientierte (OOP 2) entwickelt werden. Zudem konnte auch ein lehrveranstaltungsintegriertes Format entwickelt werden, welches für die Lehrveranstaltung Datenbanken zielführender war.
  • Motivation und Praxisbezug: Wie bereits oben hervorgehoben, wurde aufgrund der Initiative einer IT-Studentin erstmalig ein Lehrformat, zunächst als IT-Tutorium, zur Programmiersprache Python entwickelt und durchgeführt werden. Hierbei stand die praxisrelevante Anwendung der Programmiersprache im Fokus, so dass zunächst das IT-Tutorium Datenanalyse mit Python konzipiert und erprobt wurde. Das starke Interesse von Studierenden auch anderer Nicht-IT-Studiengänge führte dazu, ein weiteres Format zu entwickeln. Die Python Summer School zeigte als IT-Tutorium im Blockformat ein starkes studiengangsübergreifendes Interesse, insbesondere zum Aufbau von IT-Kompetenzen für den Berufseinstieg. In diesem Zusammenhang wurden auch Lehrende anderer Nicht-IT-Module auf die Programmiersprache aufmerksam, z.B. eignet sich Python sehr gut mit Statistikinhalten zu kombinieren und im Curriculum entsprechend zu verankern. Diese Python-Zusatzangebote sind exemplarisch für die Möglichkeit zur Studiengangsentwicklung einerseits, aber auch zur Motivationssteigerung von Studierenden anderseits.

Die Verbindung zwischen Theorie und Praxis herzustellen und den Praxistransfer zu fördern waren weitere Aufgabenbereiche der Projektarbeit. Die Möglichkeit sich und ihr Können vorzustellen ist für Studierende der IT-Studiengänge sehr wichtig gewesen.

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